Lernen ohne Lust

Die meisten Menschen empfinden Lernen als unangenehm und lernen nur, weil sie denken, zu müssen. Dieses Lernen ist aber ineffizient und mühsam.

Doch was sind die Alternativen?

Aufschieben? –  Das bedeutet nur, das Problem zu vertragen

Einfach nicht lernen? –  Das kann ziemlich unangenehme Folgen haben

Also lernen wir doch. Wir spornen uns an und wiederholen das was uns Eltern, Lehrer, Verwandte immer wieder gesagt haben:

„Du musst lernen.“

„Lernen ist wichtig für deine Zukunft.“

„Wer nicht lernt, erreicht auch nichts.“

In diesem Zwiespalt befinden sich viele. Einerseits wollen sie nicht lernen, andererseits glauben sie, es zu müssen. Geschieht Lernen nur durch Selbstüberredung, entstehen oft Abneigungen. Manchmal gegen einzelne Fächer, manchmal gegen das Lernen allgemein. Dadurch wird Lernen noch unangenehmer.

Spaß ist jedoch ein wichtiger Treibstoff für gelingende Lernprozesse. Es lohnt sich daher Wege zu finden, wie Lernen mehr Spaß machen kann.

Vorher ist es jedoch wichtig, sich den Faktor der Motivation im Allgemeinen anzugucken. Was motiviert uns?

 

Motivation durch Bedürfniserfüllung

Jede Handlung wird durch eine gewünschte oder erwartete Befriedigung von Bedürfnissen motiviert, so auch das Lernen.

Wir lernen, weil wir gute Noten, Wertschätzung unserer Eltern, Bestätigung von Fähigkeiten, Bildungsabschlüsse und viel Geld wollen.

Doch wofür ist das wichtig?

Die Antwort liegt in der menschlichen Natur. Alle Menschen streben nach der Erfüllung ihrer Bedürfnisse. Wir wollen Sicherheit, Anerkennung, Bestätigung und Wahlmöglichkeiten und dafür lernen wir- Jedoch müssen die Grundbedürfnisse, also das Bedürfnis nach Trinken, Essen und Schlaf erfüllt sein.

Ist die Basis geschaffen gilt:

Je wahrscheinlicher wir glauben, unsere Bedürfnisse durch die jeweilige Handlung befriedigen zu können, desto motivierter lernen wir.

 

 

 

Welche Bedürfnisse kannst du durch das Nicht-Lernen erfüllen?

 

 

Welche Bedürfnisse kannst du durch das Lernen erfüllen?

 

 

Was ist dir wichtiger? Die Entspannung es gestern nicht getan zu haben oder die Tatsache, es heute noch vor dir zu haben?

 

Motivation durch Gefühle

Einen anderen Motivator erleben wir jeden Tag. Unsere Gefühle. Was sich gut anfühlt, tun wir gerne. Unangenehmen Dingen widmen wir uns nur, wenn wir angenehme Folgen erwarten oder noch unangenehmere vermeiden wollen. Bevor wir etwas tun, simulieren wir eine Handlung bewusst oder unbewusst in unseren Köpfen. Meist fällt das für Tätigkeiten wie das Lernen nicht besonders positiv aus. Das wir uns dann doch für uns unangenehmen Tätigkeiten widmen hat 2 Gründe:

  1. Mögliche unangenehme Folgen rücken immer näher (1 Tag vor der Klausur)
  2. Die Alternative ist noch unangenehmer. Musst du z.B. aufräumen und kriegst dann spontan Besuch angekündigt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du aufräumst viel höher, weil es unangenehmer wäre jemanden in dein Chaos zu lassen, als schnell aufzuräumen.

Demotiviert durch unklare Entscheidungen

Handlungen werden durch erwartete Folgen motiviert. Wir wägen verschiedene Verhaltensweisen und ihre möglichen Folgen gegeneinander ab und wählen dann die für uns angenehmste Variante. Doch diese Variante zu finden kann sehr schwierig sein, oft erscheinen verschiedene Varianten gleichermaßen unangenehm / angenehm oder wir können die Folgen nicht richtig einschätzen.

Wie kann damit umgegangen werden, wenn mehre Möglichkeiten gleichermaßen attraktiv erscheinen?

Wie entscheiden wir uns, wenn etwas jetzt unangenehm, aber in Zukunft angenehm sein wird?

Wie lange lohnt es sich, auf Belohnungen zu warten?

Mit solchen Fragen beschäftigen wir uns beim Abwägen einer Entscheidung. Dabei gilt: Je klarer wir uns entscheiden, desto leichter haben wir es in der Umsetzung. Unklare Entscheidungen können hingegen zu Stillstand führen.

 

Kannst du für dich eine klare Entscheidung für/ oder gegen das Lernen treffen?

 

 

 

Was sind mögliche Konsequenzen sich für oder gegen das Lernen zu entscheiden?

 

 

Was ist dir wichtiger?

 

 

 

Motivation erzeugen

Wie können wir also unser Bedürfnis nach angenehmen Folgen und Gefühlen mit dem Lernen verbinden?

Folgende Verfahrensweisen können deine Motivation steigern:

  • Setze dir konkrete und motivierende Ziele
  • Stell dir genau vor, welchen Mehrwert du durch die Erreichung deiner Ziele erlangen kannst.

Wie viel mehr Möglichkeiten wirst du dann haben?

Wie positiv wirst du dich und andere Menschen dich betrachten?

Welche Bedürfnisse kannst du befriedigen? Wie gut kann es dir gehen?

 

Male dir deine Zukunft genau aus und überlege dir konkrete Schritte, wie du dorthin gelangen kannst.

 

 

 

 

 

 

Vergegenwärtigst du dir, dass du lernst, um dir diese Zukunft zu realisieren kann das große Motivationssprünge herbeiführen.

 

Verschaffe dir Erfolgsmomente

An vielen attraktiven Zielen müssen wir jahrelang arbeiten, um diese zu verwirklichen. Jeder Schritt auf deinem Weg zum Ziel ist ein kleines Erfolgserlebnis. Feiere es. Je leichter es dir fällt, auch in kleineren Teilzielen einen Erfolg zu sehen, desto motivierter wirst du den weiteren Weg bestreiten.

Finde Wege, dir Wissen anzueignen, an denen du Spaß hast. Sicher gibt es auch für dich angenehmere und unangenehmere Wege zu lernen.

 

  • Nutze eine Vielzahl von Quellen. Meist gibt es zu jedem Thema eine Menge an Informationen, seien es Bücher, Videos, Grafiken, Podcasts. Wenn dir ein Material nicht gefällt, dann suche nach Alternativen.
  • Versuche einen persönlichen Bezug herzustellen. Wenn du z.B. Volumen berechnen üben sollst, kannst du das Volumen deiner Handtasche berechnen. Wenn du die Theorie des operanten Konditionierens lernen sollst, kannst du versuchen, deinen Hund zu konditionieren, u.s.w.

 

Ich will nicht lernen, aber ich muss

Wir alle möchten selbstständig über unser Leben bestimmen. Glauben wir lernen zu müssen, aber wollen dies eigentlich nicht, fühlen wir uns gezwungen. Wir haben dann zwei Möglichkeiten

  1. Wir lernen trotzdem
  • Wir sind frustriert, unsere Selbstbestimmung bleibt auf der Strecke
  • Wir lernen langsam und ineffizient
  1. Wir wehren uns
  • Das kostet Zeit und Energie und nimmt uns Möglichkeiten, die Zeit mit angenehmeren Dingen zu verbringen.

 

Doch wie entsteht der Eindruck von Zwang?

Wir sind umgeben von Anforderungen

  • Eltern wünschen sich erfolgreiche Kinder
  • Ausbildungsbetriebe wünschen sich leistungsstarke Arbeitnehmer
  • Unsere Freunde wollen Zeit mit uns verbringen
  • Die Gesellschaft braucht produktive Arbeitnehmer
  • Wir wünschen uns Bestätigung, Geld und Wahlmöglichkeiten

Die Wahrheit ist, dass wir diesen Anforderungen nicht gleichermaßen gerecht werden können. Versuchen wir es trotzdem, fühlt man sich schnell überfordert und erdrückt. Um Selbstbestimmung zu aktivieren hilft es diese Anforderungen zu hinterfragen.

 

Warum möchtest du dem gerecht werden?

Was hast du davon die Erwartungen deiner Freunde, Eltern und der Gesellschaft zu erfüllen? Welche Vorteile bringt das?

 

 

Welche Bedürfnisse erfüllt das?

 

 

Gelingt es dir, die äußeren Anforderungen mit deinen eigenen Bedürfnissen zu synchronisieren, gewinnst du 2 Vorteile:

  • Du erkennst, dass du die Anforderungen der Anderen realisierst, weil du damit eigene Bedürfnisse befriedigen möchtest

(du möchtest Anerkennung, Sicherheit, Nähe und die Möglichkeit, dein Leben zu gestalten)

Du tust das für dich. Das Erleben von Zwang ist ein Ausdruck deiner eigenen Wünsche und Vorstellungen

  • Du kannst dir klarere Prioritäten setzen: Ist dir bewusst, warum du etwas machst, kannst du besser zwischen verschiedenen Alternativen abwägen und das tun, was dich näher an deine Ziele bringt

Das bedeutet nicht, dass Lernen immer leicht ist. Betrachtest du dein Lernen jedoch als eine Investition in die Zukunft, kannst du dich dennoch gut fühlen. Die Änderung der Perspektive ermöglicht eine freie Entscheidung für das Lernen.

 

Ich habe nie Lust zu lernen

Kein Mensch hat unendlich Zeit und Energie. Deshalb müssen wir Prioritäten setzen. Wahrscheinlich möchtest du generell schon lernen, aber andere Dinge sind dir wichtiger.

Überprüfe, wohin du deine Energie investieren möchtest.

 

Hegst du den Wunsch, dich mehr mit einem Thema zu beschäftigen, wäge ab, in welchen Bereich du in dieser Zeit weniger Energie investieren willst.

Welcher Bereich könnte das bei dir sein?

 

 

 

 

Wenn du bereit bist, einen Bereich für einen Zeitraum zurückzustellen, gewinnst du die benötigte Zeit.

 

Zusätzlich zu den Inhalten lernen wir Gefühle.

Fühlst du dich während des Lernens gut, lernst du, dass dieses Thema angenehm ist. Fühlst du dich schlecht, lernst du das Gegenteil.

Mit diesen Gefühlen lernen wir bestimmte Einstellungen gegenüber dem Lernen:

  • Mathe macht Spaß
  • Englischaufsätze sind blöd
  • Geschichte ist interessant

Und so weiter

Stehen wir vor der Entscheidung zu lernen oder nicht, greifen wir automatisch auf diese Erfahrungswerte zurück

Daraus schöpfen wir Motivation oder Demotivation und Abneigung.

Es entstehen Reaktionsmuster, je öfter wir diese Erfahrungen machen. Irgendwann empfinden wir schon beim Gedanken an das Lernen positive oder negative Gefühle.

Wir können uns daran gewöhnen, keine Lust zu haben. Gewohnheiten sind automatisierte Verhaltensweisen.

 

Mehr Lernlust

Glaubst du es ist wichtig, mehr zu lernen, kannst dich aber nicht dazu aufraffen, erfüllt deine Unlust wahrscheinlich eine wichtige Funktion.

Um dies zu prüfen, stelle dir folgende Fragen:

Was tust du für deine Unlust?

  • Gefühle werden auch von Moment zu Moment aktiv erzeugt, durch innere Bilder, Erinnerungen, u.s.w.

Stelle dir vor, du müsstest jetzt ein paar Stunden lernen:

Woran denkst du?

 

 

Was sagst du zu dir selbst?

 

 

 

Was stellst du dir vor?

 

Wie fühlt sich das an?

 

 

Welche Vorteile bringt die Unlust?

  • B. Aufmerksamkeit
  • Schützen des Selbstbildes (eigentlich kann ich es ja, aber ich habe halt nicht genug gelernt)
  • Zeit für andere Dinge
  • Bequemlichkeiten nachgehen

 

 

 

 

Möchtest du das ändern?

  • Neue Gewohnheiten zu etablieren ist immer mit Arbeit verbunden
  • Sei ehrlich zu dir und beantworte die Frage, ob du wirklich bereit bist, diese Arbeit zu investieren
  • Entscheide dich dafür & zwar richtig

 

 

Denke über deine ideale Lernsituation nach:

 

Wie würdest du lernen?

 

 

Wann würdest du lernen?

 

 

Wo würdest du lernen?

 

 

Welches Material und welche Quellen würdest du nutzen?

 

 

Wie würdest du deine Zeit einteilen?

 

 

Wer würde sich freuen, wenn du mit Freude lernst?

 

 

Wer würde dich unterstützen?

 

 

Versuche so viel wie möglich von diesen Vorstellungen umzusetzen. Oft bringen auch schon kleine Veränderungen große Verbesserungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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